Marktinformationen – 2017 « Monat April zurück

Weltweit auf Platz eins

Nie zuvor wurde so viel exportiert wie in diesem Jahrzehnt. Seit 1990 haben sich die globalen Produktausfuhren verfünffacht. Grund für Statista, eine der weltweit führenden Wirtschaftsdatenbanken, zu analysieren, welche Länder über das beste Image als Hersteller und Exporteur verfügen. Zu diesem Zweck befragte sie in Zusammenarbeit mit Dalia Research Anfang dieses Jahres rund um den Globus mehr als 43.000 Konsumenten in 52 Ländern. Damit gehört diese Studie zu einer der weltweit größten und umfassendsten im Bereich Außenhandel.

Das Ergebnis, das Ende März veröffentlicht wurde, ist höchst erfreulich: Die Welt liebt „Made in Germany”. Deutschland kann sich nun (statistisch nachgewiesen) rühmen, das weltweit stärkste Qualitätslabel für Waren und Dienstleistungen zu besitzen. Auf Platz eins landete es vor allem aufgrund seiner positiven Bewertungen hinsichtlich „Qualität” und „Sicherheitsstandards” und seiner großen Beliebtheit über viele Ländergrenzen hinweg. In 13 Ländern erreichte es den ersten Platz.

Den zweiten Platz belegt die Schweiz: Ihre Produkte werden für ihre Authentizität geschätzt und häufig als Statussymbole gesehen. Beim „Design” schnitt Italien gut ab, Japan hingegen erreichte hinsichtlich der „Spitzentechnologie” den weltweit höchsten Wert, während China erwartungsgemäß im „Preis-Leistungs-Verhältnis” herausragte.

Deutlich angeschlagen dagegen scheint das Vertrauen in das Qualitätssiegel „Made in USA” zu sein. Laut Nicolas Loose, Chef der Marktforschung bei Statista und Autor der Studie, verschenken die USA viel Potenzial, er sehe bereits einen „Trump-Effekt”. Nachrichten über potenzielle Zölle, Grenzkontrollen oder die Abwendung von Freihandelsabkommen wirken sich negativ auf den „Made-in-Country-Index” (MICI) des Landes aus. Die größte Volkswirtschaft der Welt, die rund zehn Prozent des globalen Außenhandels abwickelt, landete tatsächlich nur auf dem achten Platz und damit hinter Großbritannien, Schweden und Kanada. Außerdem gehören die USA zu den zehn Ländern, deren Image sich in den vergangenen zwölf Monaten am negativsten entwickelt haben. Auch Länder wie die Türkei mit ihren politischen Turbulenzen sowie Griechenland durch seine Wirtschaftskrise haben an Ansehen verloren.

Bemerkenswert positiv dagegen ist das Abschneiden des erst 2003 von der EU-Kommission ins Leben gerufenen Labels „Made in EU”. Im weltweiten Ranking erhält es „Bronze” und belegte gleich hinter der Schweiz Platz drei. Nicht nur die Konsumenten der europäischen Gemeinschaft vertrauen auf die Qualität dieses Siegels, auch über die Grenzen der EU hinaus genießt es – vor allem in den Ländern Südamerikas – hohes Ansehen, insbesondere in den Kategorien „Qualität” und „Technologie”.

Da die Herkunftsländer von Produkten oft eine ganze Reihe von Assoziationen bei den Verbrauchern auslösen, spielt das Gütesiegel für den Außenhandel eine wichtige Rolle und kann sogar die Wahl des Produktionsstandortes mit beeinflussen.

„Letztendlich”, so Loose, „geht es bei Marken immer auch um Vertrauen”. In diesem Zusammenhang ist der Blick auf die Entstehungsgeschichte des Labels recht amüsant: Ursprünglich war die Herkunftsbezeichnung „Made in Germany” gegen Ende des 19. Jahrhunderts von Großbritannien ins Leben gerufen worden. Es sollte vor minderwertigen Importen und billigen Nachahmungen aus Deutschland warnen. Dass diese Zeiten längst vorbei sind, haben die Bewertungen der rund 43.000 Konsumenten deutlich gezeigt, die Deutschland auf den Spitzenplatz befördert haben.

Friedrich Schwandt, CEO von Statista, kommentiert die Ergebnisse des MICIs: „Unser Index zeigt: ‚Made-in’ ist eine Marke, die wie jede Marke gepflegt und aktiv gefördert werden muss. Viele Nationen erhalten mit unserem Index einen Beweis für ihre erfolgreiche Außenhandelsunterstützung – anderen verdeutlicht er die Hausaufgaben, die zu erledigen sind.” In diesem Sinne kann sich Deutschland nur freuen, alles richtig gemacht zu haben. Denn trotz drohendem Brexit, Trump und Co. blicken die deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute erfreulich optimistisch in die Zukunft. So korrigierten sie in ihrem Gemeinschaftsgutachten die Wachstumsprognose – trotz aktueller weltwirtschaftlicher Risiken – für das Jahr 2017 auf 1,5 Prozent nach oben. Für das kommende Jahr erwarten die Experten durch anhaltend starken Konsum ein Wachstum von 1,8 Prozent.

Bereits seit sieben Jahren wächst die deutsche Wirtschaft – allein im vergangenen Jahr stieg das Bruttoinlandsprodukt um 1,9 Prozent. Vor allem die gestiegene Kauflust der Privathaushalte dürfte ein Grund dafür sein. Sie erhielt unter anderem Auftrieb durch niedrige Gas- und Ölpreise. Unterstützt wurde der Konsum aber auch durch eine hohe Beschäftigungsrate: Mehr als 43 Mio. Menschen in Deutschland sind derzeit erwerbstätig. Daneben spielen hohe Staatsausgaben, der Boom im Wohnungsbau und nicht zuletzt die Beliebtheit deutscher Güter „Made in Germany” eine Rolle. So konnten hiesige Unternehmen ihre Exporte seit der Jahrtausendwende verdoppeln. Fachleute der Welthandelsorganisation (WTO) in Genf erwarten für dieses Jahr eine doppelt so hohe Zunahme im Welthandel von Waren und Dienstleistungen wie im vergangenen Jahr. Sie rechnen mit einem Anstieg von rund 2,4 Prozent. Günstig dürfte sich dies auch auf die Containerschifffahrt auswirken. Laut des RWI (Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung) und dem ISL (Bremer Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik) ist der Containerumschlag-Index im Februar 2017 um 0,5 Prozent auf 124,5 Punkte gestiegen und hat damit um sechs Punkte gegenüber dem Vorjahr gewonnen. Der letzte größere Zuwachs war zuletzt vor fünf Jahren beobachtet worden.

Dieser Trend dürfte sich ebenfalls positiv für die Flotte der Hansa Hamburg auswirken. Ihre Containerschiffe mit einem Ladevolumen um 1.700 TEU sorgen als sogenannte Feeder-Schiffe für einen Containerumschlag zwischen Großcontainerschiffen und kleineren Häfen. Für Schiffe dieser Größe teilte der Containerschiffindex New ConTex Ende April eine in Bezug auf den Vormonat gestiegene Einjahres-Zeitcharterrate von rund 7.350 US-Dollar pro Tag (März 6.930 US-Dollar pro Tag) mit.

Quellen: Die Bundesregierung, „Studie zur Exportwirtschaft”, 27.3.12017; Statista, „Die Welt liebt „Made in Germany””, 27.3.2017; Welt, „Warum man in aller Welt „Made in Germany” so liebt”, 27.3.2017; Frankfurter Allgemeine Zeitung, „Deutscher Wirtschaft stehen gute Zeiten bevor”, 12.4.2017 und „Zuversichtlicher Ausblick: Welthandel wächst doppelt so schnell”, 12.4.2017; Hamburger Abendblatt, „Warum es Deutschland so gut geht”, 11.4.2017; Täglicher Hafenbericht, „Welthandel wächst solide”, 27.3.2017; New ConTex, 25. April 2017.
Bildquelle: freepik

Turbulente Zeiten zum 60. Geburtstag

Man muss die EU nicht uneingeschränkt lieben – aber egal ob man zu ihren Befürwortern oder Gegnern gehört: Die weltweite Entwicklung und globale Vernetzung lassen sich nicht rückgängig machen, und die derzeitige Tendenz einiger Länder vom „Wir-” zum „Ich-Denken” könnte sich schnell zu einem Bumerang entwickeln.

Fast genau 60 Jahre ist es her, da unterschrieben sechs europäische Länder am 25. März 1957 die „Römischen Verträge”. Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Luxemburg und die Niederlande legten damit den Grundstein für die spätere EU, die mittlerweile auf 28 Mitgliedsländer angewachsen ist. Doch kaum 60 geworden, gerät die EU in Turbulenzen: Großbritannien beschließt den Brexit, in Frankreich wettert es ebenso wie in den Niederlanden populistisch gegen die Gemeinschaft und für eine Rückbesinnung auf nationale Werte, Grenzen und Eigenbestimmung. Doch wie verführerisch manche Argumente in den Ohren der Wahlbevölkerung auch klingen mögen – z.B. weniger Bürokratie, geringere Regulierung und Zentralisierung sowie mehr Selbstbestimmung – so sprechen mindestens ebenso viele Gründe für die Europäische Union. Die Vertretung der EU-Kommission hat zum Jubiläum der Römischen Verträge sogar „60 gute Gründe” zusammengestellt, die zeigen, wie viel Positives mit Hilfe der EU bereits erreicht wurde. Die Broschüre der EU-Kommission können Sie hier downloaden.

Fest steht: Das derzeit noch einflussreiche Europa sieht schwierigen Zeiten entgegen. Noch ist die Staaten-Gemeinschaft stark und stellt den momentan größten Binnenmarkt der Welt. Ihr gehören rund 30 Mio. Unternehmen an, deren Wertschöpfung sich auf insgesamt 14 Billionen Euro beläuft. Die Frage lautet nur: Für wie lange noch – und warum ist ein „gemeinsamer starker Markt” so wichtig wie noch nie? Diese Frage lässt sich mit einem Blick auf die demografische Entwicklung unseres und anderer Kontinente beantworten: Derzeit leben noch rund 500 Mio. Menschen in der EU. Sie stellen rund 8 Prozent der Weltbevölkerung dar – mehr als die USA und Japan gemeinsam. Doch dieses Bild wird sich dramatisch verändern: Schon 2050 wird der Anteil der EU an der Weltbevölkerung auf nahezu 5 Prozent gesunken sein. Das Zitat von Jean-Claude Juncker, Präsident der EU-Kommission, bringt es auf den Punkt: „Die Welt wächst – und wir schrumpfen.” Im Jahr 2100 wird sich laut der Prognose der Vereinten Nationen die Bevölkerung Afrikas vervierfacht haben – damit wäre Asien vom ersten Platz als bevölkerungsreichster Kontinent abgelöst.

Bis 2050 wird kein einziges EU-Land mehr unter den führenden sieben Wirtschaftsnationen sein. Dann ist nur noch ein geeintes europäisches Bündnis stark genug, um sich in der Welt Gehör zu verschaffen. Das Argument, dass der Wohlstand Europas zum größten Teil auf einem freien und offenen Welthandel beruht, ist bekannt. Verständlich, denn rund 31 Mio. Arbeitsplätze hängen in der Europäischen Gemeinschaft vom Export ab oder anders ausgedrückt: fast jeder 7. Arbeitsplatz. Ebenfalls interessant ist in diesem Zusammenhang, dass mit jeder im Export eingenommenen Milliarde Euro innerhalb der EU 14.000 neue Stellen entstehen. Insbesondere Deutschland mit seiner starken Exportausrichtung profitiert wirtschaftlich von der EU.

Sicher ist aber: Wo Licht ist, ist auch Schatten. Häufig wird die „ausufernde Bürokratie” bemängelt, die Regulierung und Zentralisierung, die vorhandene Fremd- und fehlende Selbstbestimmung, die hohe Einwanderung, der Wohlstandsverlust, das restriktive Arbeitsrecht und die komplexen Vorschriften. „Protektionismus” mag sich deshalb für den ein oder anderen verführerisch anhören, ob allerdings Zölle, Einfuhrkontingente oder Subventionen alle Probleme beheben können, ist mehr als unwahrscheinlich.

Auch werden immer wieder die hohen Kosten der Nettozahler in die EU angeführt. Doch gerade hier bedarf es eines genaueren Hinsehens: So wird z.B. Deutschland häufig als „Zahlmeister Europas” dargestellt. Betrachtet man die absolute Summe (2015 lag diese bei 14,3 Mrd. €), so mag dies stimmen, trifft allerdings schon dann nicht mehr zu, setzt man die Kosten pro Bürger ins Verhältnis zur Wirtschaftskraft. Im Jahr 2015 mussten sowohl die Niederlande als auch die Schweden deutlich mehr zahlen. Berechnet man den deutschen Beitrag zum EU-Haushalt bezogen auf die Einwohnerzahl, so ergibt sich bei der Pro-Kopf-Zahlung für die Deutschen der vierte Platz. Für jeden Bundesbürger wurden laut Statistikbehörde Eurostat im Schnitt 176 € in den Gemeinschaftshaushalt eingezahlt. Am höchsten war der Pro-Kopf-Anteil der Schweden mit 226 €, gefolgt von den Niederländern mit 219 € und den Briten mit 178 €.

Natürlich würde es an dieser Stelle den Rahmen sprengen, alle 60 Argumente, die für das Bündnis sprechen, im Einzelnen aufzuführen, schließlich umfasst der Bericht der Europäischen Kommission 64 Seiten. Dennoch lohnt es sich, einen kurzen Blick auf die Felder zu werfen, in denen das Bündnis auf internationaler Basis tätig ist – und bereits viel für seine Mitgliedsländer erreicht hat. Viele von diesen Errungenschaften sind uns heute so selbstverständlich geworden, dass wir sie gar nicht mehr als direkte Erfolge der Europäischen Union verbuchen.

Zu ihnen gehört neben der Verhinderung von Preisabsprachen durch Kartelle auch die Stärkung der Verbraucher- und Passagierrechte z.B. bei Flügen oder Bahnfahrten, die Einlagensicherung von Sparern sowie hohe Standards bei Lebensmitteln und deren Etikettierung.

Auch die Terrorbekämpfung ist durch die enge Vernetzung und Kooperation von Behörden erleichtert worden. So hilft z.B. Europol (Europäisches Polizeiamt) mit Sitz in Den Haag, die Arbeit der nationalen Polizeibehörden in Europa zu koordinieren, wenn dies im Bereich der grenzüberschreitenden und organisierten Kriminalität nötig ist.

Die EU ist darüber hinaus weltweiter Führer in Sachen Umweltschutz und übernimmt eine Vorreiterrolle im Luft- und Klimaschutz. Und natürlich gibt es die Königsdisziplin, das ehrgeizigste Projekt der EU: den gemeinsamen Binnenmarkt. Im Jahr 1993 trat er offiziell in Kraft und hat seither dafür gesorgt, dass das Warenangebot bunter und vielfältiger für die Verbraucher geworden ist und die Preise sanken. Das Ende vieler nationaler Monopole, u.a. durch mehr Wettbewerb, hat für günstigere Produkte und Dienstleistungen gesorgt. Seither sind Telefonate, Strom, Flüge, Bankgebühren oder Medikamente deutlich günstiger geworden.

In einer solchen Aufzählung der recht pragmatischen, oft wirtschaftlichen Vorteile der EU darf aber eines nicht vergessen werden: die beispiellose Freiheit, die wir als EU-Bürger jeden Tag genießen. Sie erstreckt sich auf viele, fast selbstverständlich gewordene Bereiche. Bereits heute nutzen rund 14 Mio. EU-Bürger die sogenannte „Freizügigkeit”, die es ihnen ermöglicht, in einem anderen EU-Land zu wohnen, zu arbeiten oder zu studieren. Mit dem Schengen-Abkommen ist es seit 1995 möglich, grenzenlos (ohne Grenzkontrollen) zu reisen, im Bereich Wissenschaft und Forschung vereinfacht eine ins Leben gerufene europäische Wissenschafts-Cloud das Forschen und den Austausch über die Grenzen hinweg und erleichtert so die Arbeit an verschiedenen Projekten, wie z.B. die Suche nach Lösungen hinsichtlich Antibiotikaresistenzen. Auch ein gemeinsames Grundverständnis der Rede-, Presse- und Versammlungsfreiheit zeichnet uns aus und lässt uns auf der internationalen Bühne als starke Gemeinschaft unsere Werte verteidigen – umso wichtiger in einer Zeit, in der Intoleranz und Fundamentalismus an Boden gewinnen und viel zu einfache Antworten auf komplexe Fragen gegeben werden.

Und noch etwas hat die EU bewahrt: den Frieden. Seit über 70 Jahren gab es in Europa keine Konflikte, die nicht am Verhandlungstisch gelöst werden konnten. Krieg und Zerstörung in der EU – für die meisten von uns unvorstellbar. Der Frieden allein wäre bereits ausreichend Grund, für den Fortbestand der Europäischen Union zu kämpfen – gäbe es nicht noch 59 gute Gründe mehr.

Quelle: Europäische Kommission, „60 Jahre Römische Verträge”. 25.4.2017.
Bildquelle: pixabay (user:geralt)

Stickstoffdioxid sorgt für „dicke Luft”

Die aktuellen Auswertungen der Messdaten des Umweltbundesamtes (UBA) für 2016 zeigen, dass die Luft deutscher Städte immer noch zu stark mit Stickstoffdioxid (NO2) belastet ist. Der Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter wurde im Jahresmittel von mehr als der Hälfte der Verkehrsmessstationen in deutschen Städten überschritten. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr fast 906 Mio. Tonnen Treibhausgase freigesetzt – und damit rund vier Mio. Tonnen mehr als im Jahr zuvor. Hauptverursacher ist der Verkehrssektor: Über ihn wurden sogar mehr Treibhausgase ausgestoßen als 1990. Besonders negativ wirken sich die Stickoxide (und hier besonders Stickstoffdioxid) auf die Atemwege aus. Laut Maria Krautzberger, Präsidentin des UBA, gefährdet Stickstoffdioxid seit Jahrzehnten unsere Gesundheit: „Schuld sind in den Städten vor allem alte Diesel-Autos.” Neueste Untersuchungen (Pressemeldung vom 25.4.2017) des UBA deuten darauf hin, dass die Stickstoffbelastung sogar noch höher ist als bislang angenommen: „Unsere neuen Daten zeichnen ein deutlich realistischeres und leider noch unerfreulicheres Bild der Stickoxidbelastung durch Diesel-Pkw in Deutschland”, so Krautzberger. So deute alles darauf hin, dass auch die modernen Euro-6-Diesel – insbesondere bei kühlen Temperaturen – sechs Mal mehr Stickstoffoxide ausstoßen als erlaubt.

Beim Stickstoffdioxid handelt es sich um ein ätzendes Reizgas, das das Schleimhautgewebe des gesamten Atemtraktes schädigen und die Augen reizen kann. Als starkes Oxidationsmittel kann es zu Entzündungsreaktionen der Atmungsorgane führen – die Folge sind Husten, Bronchitis, Lungenfunktionsminderung und sogar Atemnot. Vor allem Menschen mit vorgeschädigten Atemwegen oder Herzkranke aber auch Kinder gehören zur sogenannten Risikogruppe. Die dauerhaft erhöhten Stickoxidwerte, die nun in vielen deutschen Städten festgestellt wurden, steigern das Asthmarisiko vor allem für Kinder erheblich. Sie sind besonders gefährdet, da hohe NO2-Werte langfristig ihr Lungenwachstum beeinträchtigen. Irreversible Lungenschädigungen im Alter könnten die Folge sein. Laut der Europäischen Umweltagentur sterben allein in Deutschland jährlich mehr als 10.000 Menschen vorzeitig an den gesundheitlichen Folgen der Stickoxid-Belastung.

Aus Sicht des Gesundheitsschutzes kann es laut Maria Krautzberger nicht akzeptiert werden, dass „die Kommunen keine Handhabe haben, um beispielsweise Dieselautos mit hohem Ausstoß aus den belasteten Innenstädten auszuschließen”. Denn Diesel-PKW sind es, die zu rund 67 Prozent für den Ausstoß von NO2 verantwortlich sind. Ganz davon abgesehen ist Deutschland auch gegenüber der EU verpflichtet, für saubere Luft in den Städten zu sorgen. Obwohl bei der Feinstaubemission Fortschritte zu vermerken sind, zeigt sich das UBA besorgt, denn der von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlene Wert von 20 Mikrogramm pro Kubikmeter wurde im Jahresmittel dennoch an fast einem Viertel aller Messstationen überschritten. Auch im Bereich Ozon gibt es keine Entwarnung: Allein dem wechselhaften Wetter im vergangenen Jahr ohne lang anhaltende Schönwetterperioden ist es zu verdanken, dass die gemessene Ozonkonzentration 2016 eher niedrig war. Trotzdem überschritten 21 Prozent aller Messstationen auch hier den avisierten Zielwert.

Vor allem in Großstädten mit viel Verkehr könnte die blaue Plakette einen wichtigen Beitrag zum Gesundheitsschutz leisten, indem sie die schmutzigen Diesel-PKW aus den Citys fernhält. Doch hier scheiden sich die Geister: Während zahlreiche Städte und Bundesländer wie Hessen, Berlin und Baden-Württemberg die Plakette gern hätten, stellen sich Verkehrsminister Alexander Dobrindt sowie die Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen dagegen. Dabei könnte laut eines Gutachtens des Verkehrsministeriums Baden-Württemberg für die Stadt Stuttgart die blaue Plakette die Stickstoffdioxidbelastung auf 95 Prozent der heute belasteten Straßen unter den Grenzwert senken.

Aber nicht nur das Vermeiden von Dieselkraftstoffen, auch das Ausweichen auf den Energieträger Flüssiggas könnte die Situation auf den Straßen deutlich verbessern. Denn Autos, die mit diesem Kraftstoff angetrieben werden, sind deutlich umweltfreundlicher und in der Lage, die Partikelmasse und -anzahl von Feinstaub deutlich zu senken (um bis zu zwei Drittel).

Schon heute fallen durch die mit LPG (Liquified Petroleum Gas oder Autogas) betriebenen Pkw 21 Prozent weniger CO2 pro Energieeinheit an – im Vergleich zu den fossilen Dieselkraftstoffen sogar 23 Prozent weniger. Leider ist der Trend der Anmeldungen für Autos, die mit LPG angetrieben werden rückläufig: Waren im Jahr 2015 noch rund 494.000 Autogas-Fahrzeuge in Deutschland auf der Straße, so ging die Zahl im vergangenen Jahr auf rund 476.000 zurück. Doch die letzten Monate versprechen einen Hoffnungsschimmer: Laut Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes verzeichneten Autogas-Fahrzeuge im März 2017 im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von 33,1 Prozent.

In der Flotte der Hansa Hamburg fahren unterschiedliche, seit Jahren im Markt etablierte Flüssiggastanker, die von einem stärkeren Einsatz des LPG als Kraftstoff profitieren würden. Der Flüssiggastanker „Queen Zenobia” ist auf den Transport von LPG spezialisiert und besitzt ein Ladetankvolumen von rund 22.800 Kubikmetern. Im April dieses Jahres verzeichnete Clarkson Research für LPG-Flüssiggastankschiffe der Größenordnung um 22.500 Kubikmeter durchschnittliche Charterraten von rund 13.200 US-Dollar pro Tag.

Quellen: Umweltbundesamt, „Stickstoffoxide”, 17.10.2016 und „Luftqualität 2016: Stickstoffdioxid weiter Schadstoff Nummer 1”, 3.4.2017 und „Stickoxid-Belastung durch Diesel-Pkw noch höher als gedacht”, 25.4.2017; Europäische Umweltagentur, „Vorzeitige Todesfälle durch Luftverschmutzung”, 21.4.2016; Baden Württemberg Ministerium für Verkehr, „Wirkungsgutachten Luftreinhalteplan Stuttgart”; Deutscher Verband Flüssiggas e.V., „Umweltbundesamt: 2016 fast vier Millionen Tonnen mehr Treibhausgase als im Vorjahr”, 30.3.2017 (2016); Hessisches Landesamt für Umwelt und Geologie, „Stickstoffdioxid”, 2007; Umwelt und Mensch – Informationsdienst, „Luftqualität 2016 in Deutschland”, 2017; DVFG, „Autogas bleibt attraktiveres Gesamtpaket – ein klares Signal an die Politik”, 15.3.2017; Clarkson Research, Shipping Intelligence Weekly Nr. 1.267, 7.4.2017.
Bildquelle: freeimages (user: Constantin Deaconescu)