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Jefta: Asiatisches Pendant zu TTIP

Mit Jefta erblickt ein neues Handelsabkommen das Licht der Weltwirtschaft: Kurz vor dem G20-Gipfel in Hamburg hatte sich die EU mit Japan auf die Eckpunkte ihres Handelsdeals geeinigt. Mit dessen Hilfe sollen sowohl Im- als auch Exporte beider Länder kräftig angekurbelt werden, für den Export nach Japan rechnen Fachleute sogar mit einem Anstieg von 20 bis 30 Prozent. Das Japan-EU-Free-Trade-Area-Abkommen lässt Hoffnung aufkeimen, wo das Scheitern von TTIP zwischen Amerika und Europa für Frust in Wirtschaft sowie Politik sorgte.

Obwohl die Verhandlungen zum Deal bereits seit 2013 laufen, ist den wenigsten das Kürzel und dessen Bedeutung bekannt. Doch dies wird sich ändern, sollte das Abkommen im Herbst abgesegnet werden. Schließlich erreicht die Wirtschaft von Japan und der EU gemeinsam einen Anteil von rund einem Drittel der globalen Wirtschaftskraft. Schon ist die Rede davon, dass mit dem Abkommen die größte Freihandelszone der Welt entstehe. Laut EU-Kommission sollen alle Zölle zwischen den Vertragspartnern schrittweise abgebaut werden. Aktuell belaufen sich diese noch auf rund eine Milliarde Euro jährlich. Wegfallen würden dann z.B. die hohen Zölle, die derzeit noch auf Lebensmittel aus der EU erhoben werden. Dafür entfallen im Gegenzug die europäischen Zölle für z.B. japanische Autos.

Große Hoffnungen also, doch gleichzeitig werden auch kritische Stimmen laut: Dokumente, die dem NDR, WDR und der Süddeutschen Zeitung vorliegen, lassen Nachteile für Europas Verbraucher vermuten. Ähnlich sieht dies auch Peter-Tobias Stoll, Handelsrechtler der Uni Göttingen. Er sieht den EU-Umwelt- und Verbraucherschutz im bisherigen Vertragstext noch nicht ausreichend abgesichert. Auch stoßen sich Kritiker an der Tatsache, dass die EU-Kommission das Unterlassen des noch immer in Japan durchgeführten illegalen Walfangs nicht zur Auflage für das Abkommen gemacht habe.

Dabei wäre das Abkommen mit Japan, das laut der Weltbank über die drittgrößte globale Volkswirtschaft (gleich hinter den USA und der Volksrepublik China) verfügt, auch für die deutsche Wirtschaft verlockend. Besonders die Chemiebranche Deutschlands dürfte sich über das Abkommen freuen. Sie gehört schon heute zu den großen Handelspartnern Japans. 2016 exportierten deutsche Unternehmen bereits Chemikalien und Pharmazeutika für ca. 4,3 Mrd. Euro nach Japan. Gleichzeitig importierte die Branche im selben Zeitraum Produkte im Wert von rund 2,8 Mrd. Euro. Noch belegt Japan Rang 15 der wichtigsten Handelspartner Deutschlands. Dies könnte sich mit Jefta schnell ändern. Im Zeitraum von 2010 bis 2013 stieg der Handelsaustausch zwischen beiden Ländern bereits kontinuierlich. Im Jahr 2014 verzeichnete er einen leichten Rückgang auf 35,9 Mrd. Euro, stieg 2015 dann wieder auf 37,2 Mrd. Euro an.

Doch obwohl Japan durch seine innovationsfreundliche Wirtschaftsstruktur ein wichtiger Handelspartner vieler Länder ist, hat es seit Jahren mit gleich mehreren Problemen parallel zu kämpfen: mit einer schwachen Binnennachfrage, einer rasch alternden Bevölkerung sowie dem starken Yen, der die Gewinne der Exporteure drückt. Der Export aber ist für das Land essentiell. Japan profitiert von der wirtschaftlichen Integration Asiens und dem Aufholprozess der asiatischen Schwellenländer (insbesondere Chinas), allerdings ist es durch seine langjährige Deflation stark geschwächt. Der Versuch, mittels wirtschaftlicher Expansion die Deflation zu überwinden, schien 2013 und 2014 von Erfolg gekrönt zu sein und führte zu einer Wachstumsrate von 1,5 Prozent. 2015 und 2016 verschlechterte sich die Lage allerdings bereits wieder.

Selbst optimistisch betrachtet wird es Finanzminister Taro Aso wohl nicht gelingen, das Primärdefizit bis zum Fiskaljahr 2020 auf null zu bringen. Das Kabinettsamt Japans prognostiziert für frühestens 2025 einen Haushaltsausgleich. Schuld daran scheint auch der hohe öffentliche Schuldenstand zu sein, der dem Staat nur geringen fiskalischen Manövrierspielraum lässt – und das, obwohl das japanische Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2016 mit gut 4.900 Mrd. US-Dollar zu einem der weltweit höchsten gehört (BIP pro Kopf 38.917 US-Dollar).

Vor dem Hintergrund dieser schwierigen wirtschaftlichen Umstände wird Japan sicherlich versuchen, das Jefta-Abkommen weiter voranzutreiben. Seine weltweit führende Bedeutung in den Bereichen Forschung, Entwicklung und Produktion (Maschinen und PKWs sowie im Elektronik- und Chemiebereich), dürfte ihm dabei helfen. Denn einige Länder – darunter auch Deutschland – sind z.B. bei elektronischen Steuer- und Speicherbausteinen auf die Zulieferung von Komponenten im hochtechnologischen Bereich angewiesen.

Diese und viele weitere Warengruppen werden meist auf dem Seeweg über die wichtigsten Häfen Japans nach Europa und in den Rest der Welt verteilt. Die bedeutendsten Häfen Japans befinden sich in Tokio (2015 mit einem Umschlagvolumen von 4,63 Mio. TEU), Yokahama (2,79 Mio. TEU), Kobe (2,7 Mio. TEU) und Nagoya (2,6 Mio. TEU). Zum Vergleich: Im Hamburger Hafen wurden im Jahr 2015 rund 8,8 Mio. TEU umgeschlagen.

Auch die Containerschiffe der Hansa Hamburg Flotte laufen von Zeit zu Zeit japanische Häfen auf ihren Routen an und sorgen für einen Austausch verschiedenster Produktgruppen rund um den Erdball. Ihre Containerschiffe mit einem Ladevolumen um 1.700 TEU sorgen als sogenannte Feeder-Schiffe für einen Containerumschlag zwischen Großcontainerschiffen und kleineren Häfen. Für Schiffe dieser Größe teilte der Containerschiffindex New ConTex Ende August eine in Bezug auf den Vormonat gestiegene Einjahres-Zeitcharterrate von rund 7.600 US-Dollar pro Tag (Vormonat 7.400 US-Dollar pro Tag) mit.

Quellen: tagesschau.de, „EU-Freihandelsabkommen – Ein Kniefall vor Japan?”, 23.6.2017; Auswärtiges Amt, „Japan, Wirtschaft”, November 2016; Statista, „Containerumschlag der Häfen in Japan im Jahr 2015”, und „Japan: Bruttoinlandsprodukt (BIP) in jeweiligen Preisen von 2007 bis 2017 (in Milliarden US-Dollar)”, 2017 und „Japan: Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf in jeweiligen Preisen von 2007 bis 2017 (in US –Dollar)”, 2017 und „Rangfolge der wichtigsten Handelspartner Deutschlands nach Wert der Importe im Jahr 2016 (in Milliarden Euro)”, 2017 und „Containerumschlag im Hamburger Hafen von 2009 bis 2016 (in Millionen TEU)”, 2017; Frankfurter Allgemeine Zeitung, „Japans fiskalische Lage bleibt schlecht”, 20.7.17; Verband der Chemischen Industrie, „Rückenwind für G20 nutzen: EU und Japan einigen sich auf Freihandelsabkommen”, 6.7.17; ZEIT-ONLINE, „EU und Japan einigen sich auf Jefta-Abkommen”, 5.7.17; manager magazin, „Jetzt kommt Jefta – Was der EU-Handelsdeal mit Japan bedeutet”, 6.7.17; New ConTex, 24. August 2017
Bildquelle: pixabay (user:Gaddict)

Korallenriff versus Ölvorkommen

In keinem anderen Land der Erde existieren so viele verschiedene Pflanzen- und Tierarten wie in Brasilien. Nun sorgt ein neuentdecktes riesiges Korallenriff vor der Küste Brasiliens für Begeisterung unter Wissenschaftlern. Sie feiern es bereits als wichtigsten Fund seit Jahrzehnten. Die Rede ist von einem einzigartigen Ökosystem – einzigartig vor allem deshalb, weil es sich in der Mündung eines Flusses, des Amazonas, befindet und damit vielem widerspricht, was man bisher über Korallenriffe zu wissen glaubte. Doch kaum entdeckt, ist seine Existenz bereits in Gefahr: 14 Milliarden Barrel Erdöl stehen in direkter Konkurrenz zu dem mehr als 1.000 km langen Naturwunder.

Mehrere Ölkonzerne besitzen Bohrlizenzen für das Gebiet und hoffen, einen Schatz unglaublichen Ausmaßes heben zu dürfen. Schon vor vier Jahren wurden die Lizenzen laut des französischen Ölkonzerns Total durch die Regierung Brasiliens vergeben. Zu diesem Zeitpunkt wusste man allerdings noch nichts über die Existenz des Riffs. Neben Total besitzen BP (Großbritannien) und Petroleo Brasileiro (Brasilien) ebenfalls Lizenzen zum Bohren.

Die Regierung Brasiliens um Staatspräsident Michel Temer steht derzeit vor großen innen- und wirtschaftspolitischen Herausforderungen. Noch immer hat sie unter den Folgen des Petrobas-Bestechungsskandals zu leiden, aufgrund dessen Temers Vorgängerin Dilma Rousseff ihres Amtes enthoben wurde. Immer neue Enthüllungen lassen die Regierung nicht zur Ruhe kommen. Soziale und regionale Gegensätze im Land, große Ungleichheit in der Einkommensentwicklung sowie des Landeigentums und eine rapide steigende Arbeitslosigkeit setzen das Land zunehmend unter Druck. Zwar weist die brasilianische Wirtschaft einen relativ hohen Grad an Diversifikation auf, dennoch ist sie mit einem Bruttoinlandsprodukt von rund 1.769 Mrd. USD (2016) „nur” die neuntgrößte Volkswirtschaft der Welt. Das Pro-Kopf-Einkommen in Brasilien beträgt ca. 8.669 USD (43.772 USD in Deutschland).

Mit den bereits 2008 entdeckten umfangreichen Rohöl- (und Erdgas-) Vorkommen könnte Brasilien laut des Deutschen Auswärtigen Amtes zu einem der wichtigsten Erdölproduzenten weltweit aufsteigen – vorausgesetzt die Preise auf den Weltölmärkten würden wieder ansteigen und das Korallenriff verhindert nicht die Bohrungen.

Doch was macht dieses Korallenriff so einzigartig und lässt Wissenschaftler verzückt von einem „Sensationsfund” sprechen? Allein die Ausmaße des Riffes sorgen für Erstaunen: Es umfasst rund 9.500 Quadratkilometer, ist zwischen 30 und 120 Meter tief und so groß wie die Wattenmeer-Schutzgebiete von Schleswig-Holstein, Niedersachsen und den Niederlanden zusammen. Unterwasseraufnahmen eines Mini-U-Bootes zeigen eine Welt aus Schwämmen, Hart- und Weichkorallen, Rotalgen und Millionen von Fischen. Faszinierend, denn Flussgebiete galten als Lebensräume für Korallen stets als ungeeignet. Hinzu kommt, dass in der Amazonasmündung Süß- und Salzwasser aufeinandertreffen. Der Fluss transportiert außerdem neben organischem Material noch viel Sediment, das das Wasser stark eintrübt. Eigentlich aber, so Meeresbiologin Sandra Schöttner, benötigen Korallenriffe klares, sonnendurchflutetes und sauerstoffreiches Wasser. Schöttner, die über Korallenriffe promoviert hat, ist derzeit bei Greenpeace Deutschland zuständig für die Themen Meere und Biodiversität. Im Mündungsgebiet des Amazonas habe sich ein von Süden nach Norden dreigeteiltes Riff entwickelt: Das Wasser verändere sich von sehr hell zu dunkel – und zeigt damit auch eine Bandbreite von viel Leben bis hin zu wenig.

Diese Tatsachen verleihen dem Riff beinahe eine „orakelhafte Bedeutung.” Denkbar, dass man hier wissenschaftliche Hinweise findet, wie Riffe sich verändern könnten, wenn sie trotz erschwerter Bedingungen durch den Klimawandel überleben müssen. Laut Schöttner sind schon jetzt zunehmende Ozeanversauerung sowie steigende Sediment- und Nährstoffe ein massives Problem der Riffsysteme. Im Ökosystem des Amazonas aber überleben die Korallen, Kalkalgen und Schwämme – obwohl es ihnen an klarem, sauerstoffreichem und sonnendurchflutetem Wasser mangelt.

Doch unabhängig von den Bedenken der Wissenschaftler kann man sich auch die Frage stellen, ob die Welt in Zeiten des Klimawandels noch mehr Öl (-Förderung) braucht. Öl wird derzeit im Überfluss gefördert, die künstliche Verknappung (trotz beschlossener Drosselung der Ölförderung durch die OPEC zu Beginn des Jahres) wurde bislang nicht erreicht und unvermindert hohe Frackingvolumen der USA fließen weiter auf den Markt. Die Vorräte der Industrienationen stiegen laut Daten der Internationalen Energieagentur in den vergangenen Monaten deutlich an und führten zu niedrigen Ölpreisen.

Die geringe Nachfrage zwang die Händler bereits im Juni, Öl zu horten. Wie bereits 2015, als der Ölpreis auf 30 USD fiel, nutzten sie Schiffe als schwimmende Lagerstätten. In der Nordsee sollen im Juni sieben voll beladene Tanker auf Reede gelegen haben. Aktuell liegen die Erdölpreise der Sorte Brent bei rund 52 USD pro Barrel.

Jan Edelmann, Rohölexperte bei der HSH-Nordbank, schätzt, dass sich der Trend der hohen Fördermengen weiter fortsetzen wird; bereits vorgenommene Investitionen in den Vereinigten Staaten deuten darauf hin. Hinzu kommen weitere Produzenten wie Russland und Brasilien, die in den vergangenen Jahren viel Geld in die Erschließung neuer Quellen gesteckt haben. Deren Investitionsentscheidungen wurden noch vor dem Ölkollaps 2014 getroffen und sollten den beiden schwächelnden Wirtschaften wieder auf die Beine helfen. Ob dies gelingt, ist unter den gegebenen Umständen fraglich.

Die Schiffe der Hansa Hamburg Tankerflotte besitzen Ladekapazitäten zwischen 60.000 bis 75.000 Tonnen bzw. 180.000 bis 190.000 Tonnen. Für die klassischen Suezmax-Rohöltanker hat der Schiffsmakler Braemar ACM im August 2017 einen zum Vormonat unveränderten Ratendurchschnitt für Einzelreisen (Zeitcharteräquivalent) von etwa USD 5.000 pro Tag angegeben. Für LR1-/Panamax-Produktentanker („dirty”) ermittelte Braemar ACM Raten von etwa USD 9.000 (Vormonat: USD 7.800) und für LR1-Produktentanker („clean”) von circa USD 9.600 pro Tag (Vormonat: USD 12.800). Auch Einjahres-Zeitcharter-Verträge werden vereinzelt geschlossen: Als Einjahres-Zeitcharterrate errechnete Braemar ACM für Rohöltanker der Größe Suezmax eine Rate von USD 17.500 pro Tag (zum Vormonat unverändert) und für die Größe LR1 (coated) eine Zwölfmonatsrate von USD 12.500 pro Tag (Vormonat USD 12.000).

Quellen: Spiegel online, „Brasilien – Ölbohrungen bedrohen Naturparadies”, 17.5.17; Auswärtiges Amt, Brasilien, „Innenpolitik”, März 2017 und „Wirtschaftlliche Lage”, März 2017; n-tv, „Sensation in Amazonasmündung: Riesiges Korallenriff verblüfft Forscher”, 5.2.17; Welt.de, „Dieser Supertanker zeigt das Scheitern des Öl-Kartells”, 20.6.17 und „Der Machtkampf ums Öl hat einen großen Verlierer”, 24.6.17; Braemar ACM Weekly Tanker Market Report, 17.03.2017.
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Das Geräusch des Sommers: Flip...flop

Sommerliche Temperaturen, luftige Kleidung und ein typisches Geräusch kennzeichnen den Sommer, sobald das Thermometer die 20- Grad-Marke knackt: „Flip...flop.” In diesem Jahr feiert der berühmte offene Schuh mit dem Zehensteg seinen 55-jährigen Geburtstag. 1962 als schlichte Sandalenvariante vom bekannten Flip-Flop-Hersteller Havaianers in Brasilien entwickelt, bietet der Markt mittlerweile eine Riesenauswahl an Modellvarianten – zu nahezu jedem denkbaren Preis. Von quietschbunt und mit lustigen Motiven für Kinder über eher schlicht und dezent einfarbig bis hin zur handgefertigten Edelvariante mit Gold und Diamanten variieren die Preise zwischen 4 und 15.000 €.

Rund 210 Millionen Paar Havaianers produziert das Unternehmen mittlerweile pro Jahr und verkauft diese in 580 Länder weltweit. Seine ersten Zehensandalen setzten sich vor allem in den Armenvierteln, den sogenannten Favelas der brasilianischen Großstädte, schnell durch. Und dies mit einem solchen Erfolg, dass vor rund 40 Jahren die Regierung Brasiliens sogar beschloss, die Frischluftsandale als Grundbedürfnis in die Liste der Alltagsprodukte aufzunehmen, deren Preise zur Inflationsbekämpfung staatlich kontrolliert werden.

Einst als „Arme-Leute-Schuh” verschrien, sollen die Schlappen nun auch im Westen Begehrlichkeiten wecken. In Brasilien haben sie längst Kultstatus erreicht und gehören zur Standardgarderobe der Oberschicht. Zehn Paar Flip-Flops pro Besitzer sind dort nichts Ungewöhnliches. Selbst am anderen Ende der Welt tragen der Dalai Lama, Barack Obama oder Jennifer Aniston die locker-lässigen Schuhe, die als Synonym für Sommer, Strand und Urlaubsgefühl stehen – sicher ein großer Teil ihres Erfolgsgeheimnisses.

Mitte Juli vergangenen Jahres eröffnete die Firma, deren Muttergesellschaft Alpargatas ist, in Berlin ihre erste deutsche Filiale. Seitdem hat sie bundesweit rund 500.000 Paar des luftigen Schuhwerks verkauft. Guillaume Prou, Europa-Chef des Unternehmens, sieht großes Potenzial. Für die kommenden fünf Jahre ist die Eröffnung von mindestens zehn weiteren Läden geplant. Vor allem in den größeren deutschen Städten, aber auch an Nord- und Ostsee. Derzeit allerdings erreichen südeuropäische Länder wie Italien, Spanien oder Portugal weitaus höhere Verkaufszahlen als Deutschland. Was nicht verwunderlich ist, sieht man sich die Durchschnittstemperaturen dieser Länder im Vergleich zur Bundesrepublik an. Allerdings verkaufen auch Schweden und Großbritannien insgesamt deutlich höhere Stückzahlen – und dies lässt sich kaum mit besserem Wetter und höheren Temperaturen erklären...

Fest steht: Prou plant, den Siegeszug der Minimal-Sandale weiter auszubauen. Ein Patent hält das Unternehmen zwar nicht auf die Flip-Flops – wohl aber auf die Zusammensetzung ihrer Kunststoffmischung, die auf einer geheimen Formel basiert.

Leider schaffen es die Inhaltstoffe diverser Flip-Flop-Marken immer wieder einmal in die Schlagzeilen. Erst kürzlich warnte Ökotest in seiner Juli-Ausgabe vor Schadstoffen, die in den überwiegend aus Kunststoff produzierten Schuhen enthalten sind. Nur selten wurde die Bestnote „sehr gut” als Testergebnis vergeben. Weit häufiger erhielten die getesteten Objekte die Note „mangelhaft” und „ungenügend”. Bereits am Geruch lässt sich häufig erkennen, ob es der Schuh „in sich hat”: Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) stehen in Verdacht, krebserregend zu sein und dünsten häufig unangenehm aus. Bekannteste gesundheitlich bedenkliche Vertreter der PAK sind das Benzo(a)pyren sowie das Naphtalin. Auch vor Weichmachern wie Phtalaten wird gewarnt, da diese wie ein Hormon wirken und Leber, Nieren sowie Fortpflanzungsorgane schädigen können. In der EU sind sie aus diesem Grund bereits seit Langem für die Spielzeugproduktion und in Babyartikeln verboten.

Kunststoffe wie z.B. der sogenannte geschlossenzellige Schaumstoff aus Ethylen-Vinyl-Acetat (EVA) und Blended Copolymeren oder PVC (Polyvinylchlorid, einem thermoplastischen Polymer) werden häufig als Sohlenmaterial für die Zehensandalen verwendet. Bei Ethylen handelt es sich z.B. um ein farbloses, entzündliches Gas, das z.B. auch von Pflanzen bei der Reifung freigesetzt wird (z.B. beim Apfel). Ethylen ist auch der monomere Grundbaustein des Polyethylens und wird in der Industrie mit Hilfe des thermischen Crackens von Ethan oder Kohlenwasserstoffgemischen gewonnen. Es stellt eines der wichtigsten Zwischenprodukte in der Erdölchemie dar.

Die bei der Raffination aus Erdöl hergestellten Folgeprodukte der petrochemischen Industrie machen die Herstellung von Kunststoffen erst möglich. Neben den Grundchemikalien, die zur Produktion von Kunststoffen benötigt werden, entsteht während des Destillationsprozesses in der Raffinerie auch LPG (Liquified Petroleum Gas).

Dieses wird auch regelmäßig in den modernen Flüssiggastankschiffen der Hansa Hamburg transportiert. Neben den Tankschiffen mit einem Ladevolumen von 17.000 Kubikmeter zum Transport von Flüssiggasen wie Ethylen, Propylen und Butadien für die petrochemische Industrie gehört auch der LPG-Tanker „Queen Zenobia” zur Flotte von Hansa Hamburg. Er ist auf den Transport von LPG spezialisiert und besitzt ein Ladetankvolumen von rund 22.800 Kubikmetern. Im August dieses Jahres verzeichnete Clarkson Research für LPG-Flüssiggastankschiffe der Größenordnung um 22.500 Kubikmeter durchschnittliche Charterraten von rund 11.200 US-Dollar pro Tag.

Quellen: Welt.de, „Diese Kult-Flip-Flops sollen jetzt an deutsche Füße”, 19.6.17; Handelsblatt, „Havaianas-Konzern wird verkauft”, 16.7.17; Öko-Test, „Flip-Flops & Co”, Juli 2017; ORF, „Flipflops für die breite Masse”, 2.8.12; Frankfurter Allgemeine Zeitung, „Luftiges Schuhwerk von Fleischhändlern”, 27.7.16; Clarkson Research, Shipping Intelligence Weekly Nr. 1.285, 18.8.2017.
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